SIP-Kanäle erklärt: Wie viele Gespräche gleichzeitig über VoIP möglich sind

Ein SIP-Kanal steht für ein gleichzeitiges Gespräch. Hier erfahren Sie, wie SIP-Kanäle funktionieren und wie viele Sprachkanäle Sie für Ihr Unternehmen brauchen.

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Wenn Sie einen Telefonanschluss für ein Unternehmen planen, stoßen Sie schnell auf den Begriff SIP-Kanäle – manchmal auch Sprachkanäle oder Gesprächskanäle genannt. Dahinter steckt eine der wichtigsten Fragen bei der Internettelefonie: Wie viele Telefonate können gleichzeitig laufen? In diesem Artikel erklären wir verständlich, was ein SIP-Kanal ist, wie viele gleichzeitige Gespräche damit möglich sind und wie Sie den richtigen Bedarf für Ihr Unternehmen ermitteln.

Was ist ein SIP-Kanal?

Ein SIP-Kanal ist eine einzelne Sprachverbindung über das Internet. Pro Kanal lässt sich genau ein Telefonat gleichzeitig führen. Wer zwei Kanäle gebucht hat, kann also zwei Gespräche parallel führen – zum Beispiel, wenn zwei Mitarbeiter zeitgleich telefonieren.

Der Name leitet sich vom Session Initiation Protocol (SIP) ab, dem Protokoll, das bei VoIP den Verbindungsaufbau steuert. Die Grundlagen dazu erklären wir im Beitrag Was ist VoIP?. Kanäle werden fast immer im Zusammenhang mit einem SIP-Trunk gebucht – also der Sammelleitung, über die ein Unternehmen seine Telefonie abwickelt.

SIP-Kanäle und Rufnummern sind nicht dasselbe

Ein häufiges Missverständnis: Viele setzen Kanäle mit Rufnummern gleich. Beide sind aber unabhängig voneinander.

  • Rufnummern legen fest, unter welchen Nummern Sie erreichbar sind.
  • SIP-Kanäle legen fest, wie viele Gespräche gleichzeitig laufen können.

Ein kleiner Betrieb kann zehn Durchwahlen haben, aber nur mit drei Kanälen auskommen – wenn nie mehr als drei Personen gleichzeitig telefonieren. Umgekehrt reicht eine einzige Rufnummer, über die dank mehrerer Kanäle trotzdem mehrere Anrufer parallel bedient werden.

Wie viele SIP-Kanäle braucht mein Unternehmen?

Entscheidend ist nicht die Gesamtzahl der Mitarbeiter, sondern wie viele davon zur gleichen Zeit telefonieren. Als grobe Faustregel hat sich bewährt, einen Kanal pro drei bis vier telefonierende Mitarbeiter zu rechnen. In Callcentern oder im Vertrieb liegt der Bedarf höher, in reinen Bürobetrieben oft niedriger.

UnternehmensgrößeTypische NutzerEmpfohlene Kanäle
Kleinbüro / Homeoffice1–52–3
Kleiner Betrieb5–153–5
Mittelstand15–506–12
Vertrieb / Callcenter10–301 Kanal pro Agent

Praktisch ist, dass sich Kanäle bei einem modernen Anbieter flexibel anpassen lassen. Gerade eine Cloud-Telefonanlage erlaubt es, Kanäle monatlich zu- oder abzubuchen – etwa für saisonale Spitzen im Weihnachtsgeschäft.

SIP-Kanäle und Bandbreite

Jedes gleichzeitige Gespräch belegt einen Teil Ihrer Internetleitung. Ein Kanal benötigt je nach verwendetem Codec rund 85 bis 100 kbit/s in jede Richtung. Für zehn parallele Gespräche sollten Sie daher etwa 1 Mbit/s symmetrisch einplanen – zusätzlich zur normalen Datennutzung im Büro.

Wichtiger als die reine Menge ist eine stabile, priorisierte Leitung. Wie Sie den Bedarf genau berechnen und Engpässe vermeiden, lesen Sie im Artikel VoIP-Bandbreite. Reißt die Leitung an ihre Grenzen, leidet zuerst die Sprachqualität – nicht die Zahl der möglichen Kanäle.

Was passiert, wenn alle Kanäle belegt sind?

Sind alle gebuchten Kanäle in Gebrauch, hören weitere Anrufer entweder ein Besetztzeichen, oder der Anruf wird – je nach Konfiguration – auf eine Warteschleife, ein Sprachmenü oder eine Mailbox umgeleitet. Für die Praxis heißt das: Lieber einen Kanal mehr einplanen, damit keine Kundenanrufe verloren gehen. Da ungenutzte Kanäle bei den meisten Anbietern nur geringe Fixkosten verursachen, ist ein kleiner Puffer fast immer sinnvoll.

Häufige Fragen

Was ist ein SIP-Kanal?

Ein SIP-Kanal ist eine einzelne Sprachverbindung. Pro Kanal kann genau ein Telefonat gleichzeitig geführt werden. Zwei Kanäle bedeuten also zwei parallele Gespräche.

Wie viele SIP-Kanäle braucht mein Unternehmen?

Als Faustregel rechnet man mit einem Kanal pro drei bis vier regelmäßig telefonierende Mitarbeiter. Entscheidend ist die Zahl der gleichzeitigen Gespräche zu Spitzenzeiten, nicht die gesamte Mitarbeiterzahl.

Was ist der Unterschied zwischen SIP-Kanälen und Rufnummern?

Rufnummern legen fest, unter welchen Nummern Sie erreichbar sind. Kanäle legen fest, wie viele Gespräche gleichzeitig laufen können. Beide sind unabhängig voneinander.

Wie viel Bandbreite braucht ein SIP-Kanal?

Ein Gesprächskanal benötigt je nach Codec rund 85 bis 100 kbit/s in jede Richtung. Für zehn gleichzeitige Gespräche sollten Sie also etwa 1 Mbit/s symmetrisch einplanen.

Fazit

SIP-Kanäle bestimmen, wie viele Telefonate Ihr Unternehmen gleichzeitig führen kann – unabhängig von der Zahl Ihrer Rufnummern. Wer den Bedarf an den gleichzeitigen Gesprächen zu Spitzenzeiten ausrichtet und einen kleinen Puffer einplant, ist auf der sicheren Seite. Für den Einstieg in die Unternehmenstelefonie lohnt sich ein Blick auf unsere Anleitung zum SIP-Trunk einrichten.