RTP und SRTP erklärt: So werden Sprachpakete bei VoIP übertragen
Während SIP den Anruf aufbaut, überträgt RTP die eigentliche Sprache in Echtzeit – und SRTP verschlüsselt sie. Was hinter den beiden Protokollen steckt, einfach erklärt.
Kurz gesagt: Bei einem VoIP-Anruf gibt es zwei Protokolle, die zusammenarbeiten. SIP baut das Gespräch auf und beendet es wieder – wie das Klingeln und Auflegen. RTP (Real-Time Transport Protocol) transportiert dann die eigentliche Sprache in Echtzeit von A nach B. SRTP ist die verschlüsselte Variante, die mithört unmöglich macht.
Wer sich fragt, wie die eigene Stimme eigentlich durch das Internet zum Gesprächspartner kommt, landet früher oder später bei RTP. Dieser Artikel erklärt verständlich, was das Protokoll macht, wie es mit SIP zusammenspielt und warum die verschlüsselte Version SRTP für sicheres Telefonieren wichtig ist.
Was ist RTP?
RTP steht für Real-Time Transport Protocol, also „Echtzeit-Übertragungsprotokoll". Es ist dafür zuständig, die digitalisierte Sprache in kleinen Paketen über das Internet zu verschicken – meist alle 20 Millisekunden ein Päckchen. Damit das Gespräch flüssig klingt, kommt es vor allem auf zwei Dinge an: die Pakete müssen schnell ankommen und in der richtigen Reihenfolge zusammengesetzt werden.
Damit der Empfänger das schafft, trägt jedes RTP-Paket zusätzliche Informationen mit sich:
- Sequenznummer: zeigt die richtige Reihenfolge an, falls Pakete unterwegs überholen.
- Zeitstempel: sorgt dafür, dass die Sprache im richtigen Takt abgespielt wird.
- Codec-Kennung: verrät, mit welchem Verfahren die Sprache verpackt wurde.
Welches Verfahren die Sprache dabei komprimiert, entscheidet der Codec. Mehr dazu im Vergleich der VoIP-Codecs wie G.711, G.722 und Opus.
RTP und SIP: das Zusammenspiel
RTP arbeitet nie allein. Zuerst handelt SIP aus, wer mit wem spricht und über welche Adressen die Sprache laufen soll. Erst danach übernimmt RTP den eigentlichen Transport der Stimme. Man kann sich das wie einen Anruf vorstellen: SIP ist das Wählen und Klingeln, RTP das Gespräch selbst.
Wie die Signalisierung im Detail abläuft, erklärt der Beitrag zu SIP und dem Verbindungsaufbau. Und wenn Sie erst einmal die Grundlagen verstehen möchten, lohnt der Blick auf unseren Pillar-Artikel Was ist VoIP.
Warum RTP auf UDP setzt
RTP nutzt fast immer UDP als Transportweg – und nicht das gründlichere TCP. Der Grund ist Tempo: Bei einem Telefonat ist es besser, ein verlorenes Paket einfach zu überspringen, als auf eine Nachlieferung zu warten. Ein winziger Aussetzer fällt kaum auf, eine spürbare Verzögerung dagegen sehr. RTP nimmt also lieber einen kleinen Datenverlust in Kauf, um die Echtzeit zu erhalten.
Was ist SRTP?
Reines RTP ist nicht verschlüsselt. Theoretisch könnte jemand, der den Datenverkehr mitliest, das Gespräch abhören. Genau hier kommt SRTP (Secure Real-Time Transport Protocol) ins Spiel: Es verschlüsselt die Sprachpakete und stellt sicher, dass sie unterwegs nicht manipuliert wurden.
In der Praxis gehören zwei Bausteine zusammen: Die Signalisierung wird per TLS abgesichert, die Sprache selbst per SRTP. Erst beides zusammen ergibt ein durchgehend verschlüsseltes Telefonat. Warum das gerade in öffentlichen Netzen wichtig ist, vertieft der Artikel zur VoIP-Sicherheit und Verschlüsselung.
RTP und SRTP im Vergleich
| Merkmal | RTP | SRTP |
|---|---|---|
| Aufgabe | Sprachtransport in Echtzeit | Sprachtransport, aber verschlüsselt |
| Verschlüsselung | Nein | Ja |
| Schutz vor Mithören | Nicht gegeben | Gegeben |
| Rechenaufwand | Sehr gering | Etwas höher |
Wo RTP in der Praxis Probleme macht
Weil RTP eigene, wechselnde Ports nutzt und über UDP läuft, kann es an Routern und Firewalls hängen bleiben. Typische Stolpersteine sind eine falsch arbeitende NAT-Funktion oder zu wenig Bandbreite, sodass Pakete verspätet oder gar nicht ankommen. Hörbar wird das als Aussetzer, Roboterstimme oder Einweg-Audio, bei dem nur eine Seite etwas hört.
Gegen solche Effekte helfen eine sinnvolle Priorisierung der Telefonie im Netzwerk und ein ausreichend dimensionierter Anschluss. Konkrete Tipps sammelt der Beitrag VoIP-Sprachqualität verbessern.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen RTP und SIP?
SIP baut das Gespräch auf, verwaltet es und beendet es wieder – es ist die Signalisierung. RTP überträgt währenddessen die eigentliche Sprache. Vereinfacht gesagt: SIP klingelt, RTP spricht.
Ist RTP verschlüsselt?
Reines RTP ist nicht verschlüsselt und könnte theoretisch mitgelesen werden. Für abhörsicheres Telefonieren wird die verschlüsselte Variante SRTP genutzt, meist zusammen mit TLS für die Signalisierung.
Welche Ports nutzt RTP?
RTP verwendet keine festen, sondern wechselnde UDP-Ports, die beim Verbindungsaufbau ausgehandelt werden – häufig im Bereich zwischen 10000 und 20000. Deshalb ist eine korrekt konfigurierte Firewall wichtig.
Warum gibt es bei RTP manchmal Aussetzer?
Weil RTP auf Tempo statt auf Vollständigkeit setzt, überspringt es verspätete Pakete. Bei zu wenig Bandbreite oder Netzwerkproblemen führt das zu Aussetzern. Eine Priorisierung der Telefonie im Router schafft meist Abhilfe.